Kernbotschaften

Wahlslogans, Wahlsprüche, Devisen, Leitsätze, Leitsprüche, Losungen, Maximen, Motti (ist der Plural korrekt?), Parolen etc.

Im weiteren mal das englische Wort: Slogan. Wird oft mit folgenden Adjektiven verbunden: ein frecher, eingängiger, einprägsamer, flotter, genialer, griffiger, knackiger, markiger, prägnanter, schmissiger, werbewirksamer, zugkräftiger, zündender.

Es fehlen hier die Adjektive langweilig, unverständlich, unrealistisch. Aus aktuellem Anlass unten mal ein paar entsprechende Beispiele.

Slogans können ja durchaus sehr interessant sein, da sie unsere Sprache und vor allem die zentrale Aussage auf ein Minimum reduzieren. Die zentrale aber nicht genannte Aussage ist ja eigentlich immer das gleiche und sehr einfach gestrickt: Wählt MICH! (oder äh, meine Partei). Und an der eigentlichen Aussage kann man meist ganz gut erkennen, aus welcher und in welche politischen Richtung gezielt wird. Aber: Manchmal entspricht die erzeugte Wirkung nicht ganz der gewünschten! Kleiner Hinweis noch zur Entmythologisierung: es sind nicht die Parteien, und schon gar nicht die nett abgebildeten Vertreter, die sich die Slogans in mühevoller Kleinarbeit zu Hause ausdenken, sondern gewiefte Großagenturen, die wochenlang daran arbeiten, eine ultimative Aussage zu kreieren und damit viel Geld scheffeln!

Zuversicht

Wunderbar, ja großartig! Das Parteiprogramm auf ein Wort reduziert – minmalistischer geht es nicht. Aber, was will uns das sagen? Ich habe Zuversicht: in was denn? Oder: Habt Zuversicht in mich. Hä? Nach mehreren Jahren sollen wir zuversichtlich sein, dass sich doch noch etwas verbessert? Wird schon irgendwie klappen? Grundsätzlich fände ich es ja besser, Zuversicht zu verbreiten, statt zu fordern. Für dieses Wort hätte ich aber auch gerne viel Geld verdient!

Recht und Ordnung wieder herstellen

Gähn. Gab es das nicht schon letztes Jahr, vorletztes Jahr? Ein Oldschool-Thema. Und was heißt „wieder“. In Berlin gab es das noch nie und wird es nie geben. Aber der Rest des Landes fühlt sich vielleicht angesprochen.

Löhne rauf, Mieten runter .

Toll! Das unterschreibe ich sofort. So wie alle anderen. 1. Preis für erfolgreiche Ansprache. Aber auch für Dummheit: wer soll das alles bezahlen?

Ein Mensch. Ein Wort.

Klingt überzeugend, oder? Ich habe nicht recherchiert, bin mir aber irgendwie sicher, dass man diese Aussage widerlegen kann. Nebenbei die Aussage: Ich bin ein Mensch – da war man manchmal nicht so sicher.

Mehr für Dich. Besser für Deutschland.

Geht es ums Geld? Mehr ist immer gut! Und schön, dass es ganz Deutschland dann auch gut geht.

Ist dein Einkauf zu teuer, macht ein Konzern Kasse.

Klassischer Klassenkampf nette arme gegen böse reiche. Nur ohne Konzerne würde es vielleicht gar nichts mehr zum einkaufen geben und tendenziell sorgt der Wettbewerb ja eher für günstige Preise. Aber grundsätzlich bin ich auch gegen Konzerne!

Alles geben. Auch für deinen Job.

Puh, der zwiespältigste Spruch! Grundsätzlich sollten sich Bürger auch für ihren Staat einsetzen, aber für den Job? Das wird keinen großen Anklang finden.

Ist Deine Miete zu hoch, freut sich der Vermieter

Korrekte Aussage. Warum soll ich jetzt diese Partei wählen? Ach so, der klassische Klassenkampf, wie oben. Gähn. Es ist nunmal so: Ohne Vermieter gäbe es gar keine Wohnungen.

Alle Entlassungen verhindern – Löhne erhöhen!

Wieder Gähn. Eine Splitterpartei versucht sich an klassischen Themen, und in reinem Populismus, ohne weiter zu denken.

Alles kann man ändern.

Im Prinzip gut und richtig. Man könnte dazu animiert werden, mal eine Oppositionspartei zu wählen, aber nicht die, die den Slogan erfunden hat. Entspricht eigentlich: Zuversicht!

Rechts wählen ist so 1933.

Der ist gut! Eine humorvolle Anspielung. Leider werden hier mal wieder rechts und rechtsextrem gleichgesetzt, was gefährlich ist.

Fazit:

Warten wir noch auf die Störer, die kurz vor der Wahl aufgeklebt werden und vielleicht noch etwas klarer, provokanter, verzweifelter daherkommen.

Alles egal. Mein ultimativer Slogan: Geht wählen, bevor es nicht mehr geht!

 

Interessant in diesem Zusammenhang: die Liste der Wahlkampfslogans aus den deutschen Bundestagswahlkämpfen seit 1949. Schade, 1933 hätte mich zum Vergleich noch interessiert. Das Wort „Zuversicht“ wurde wohl noch nie verwendet und ist damit ziemlich einzigartig.

Interessant auch das Portal slogans.de das schlappe 183.000 Slogans verschiedener Firmen und Institutionen dokumentiert. Es gibt eine Suchmaschine und einen Plagiatsprüfer, damit man nicht aus Versehen die Slogans der Konkurrenz übernimmt. Das Wort „Zuversicht“ taucht hier nur einmal auf. Es gibt auch ein Slogometer, in dem die am häufigsten benutzten Wörter aus verschiedenen Jahrzehnten mit Tendenz aufgelistet sind. Die drei wichtigsten sind: Dein, You, Du. Direkt Ansprache ist das Ding!

17. Februar 2025 // Glossen, Politisches // 1 Kommentar

Eine Antwort auf „Kernbotschaften“

  1. Nun ja, Gorg, eine nette Sammlung von Slogans. (Kommt das Wort von „schlagen“? Nein, glaub ich nicht). Doch manchmal ist auch ein Bild 1000 Wort wert. Schau Dir die Bilder von den Kandidaten auf den Plakaten an und wühle da nach Deutung. lg pj

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