Hurz!
Dieses Wort kannte ich bisher nicht – es ist mir letztens über den Weg gelaufen. Genau genommen ist es nicht gelaufen, sondern es stand festgefügt in einem Text eingebunden, und ich habe es gelesen, es ist in mein Hirn gewandert und hat etwas augelöst. Im Rahmen einer langandauernden und mühsamen Recherche zu den Worten „der Wolf“ und „das Lamm“, die ich zufällig in verschiedenen Zusammenhängen (Radio, Musik) vernommen hatte und das investigative Verlangen verspürte, dem auf den Grund zu gehen.
Hurz heißt: äh, weiß nich so genau, es war wohl der Ausruf eines Lamms, eine Übersetzung konnte ich dazu nicht finden.
Das erste Mal vorgetragen wurde es von Künstlern (Tenor und Pianist) vor Publikum im Rahmen einer Oper eines unbekannten Komponisten. Die Vorstellung wurde im Fernsehen übertragen. Die Zuschauer sollten anschließend die Vorführung interpretieren, wobei die Meinungen von „gewöhnungsbedürftig“ bis hin zur Einordnung in jahrhundertealten mythologische Erzählungen über Wolf und Lamm – eine große Metapher – reichten.
So viel zu den Fakten. Es sind aber keine! Die Protagonisten hießen in Wirklichkeit anders, haben keine Ahnung von Musik, Oper und Komponist: frei erfunden!
Dennoch: das Wort hat Einzug in die deutsche Kultur gefunden und wird von den unterschiedlichsten Künstlern eingesetzt. Bin nicht sicher, ob es ein Copyright gibt und Künstler mitlerweile Linzenzgehüren entrichten müssen?
Hier nochmal das Gesamtzitat, wohl eine Hommage an den Dadaismus der Zwanziger:
„Der Wolf… das Lamm… auf der grünen Wiese. Das Lamm… schreit… Hurz!“
Und ja: die Aufführung war ein Streich! Mittlerweile gibt es soger ein Lied dazu, das gar nicht mal so schlecht ist.
Hurz! wurde auch wissenschaftlich untersucht. Eine Musikwissenschaftlerin nutzte den Auftritt, um daran unterschiedliche Möglichkeiten zur Beurteilung der Interpretation eines Kunstwerks vorzustellen. Das finde ich interessant!
Die Übertragung im Fernsehen gilt als ein Stück deutscher Fernsehgeschichte. Ich muss gestehen, dass ich das komplett verpasst habe. Die Single erreichte Platz 4 der deutschen Singlecharts. Das hätte mir niemals entgehen dürfen.
Ich erinnere mich, wie wir mit der ganzen Familie in den Siebzigern, in einer Kleinstadt, einem vorgetragenen Werk zeitgenössischer Musik beiwohnten. Das Publikum saß andächtig und erwartungssvoll im Publikum. Aber dann kam der erste Einsatz: die Querflöte sprudelte komische Geräusche heraus. Das Publikum leicht irritiert. Dann ein paar musiklische Einlagen wo man sich gegenseitig ansah, um sich zu versichern ob alles ok war und die anderen auch noch da sind. Dann der Höhepunkt: ein Geiger stand auf und fidelte vollkommen atonales vor sich hin. Jetzt gab es kein Halten mehr: die ersten konnten ihr Kichern nicht mehr unterdrücken, man nennt das prusten, und es wurde immer lauter. Andere verließen genervt die Veranstaltung. Den weiteren Ausgang weiß ich leider nicht mehr.
Aus heutiger Sicht, würde es mich nochmal ineresseiern, was gespielt wurde, da ich Experimente mag. Aber ich verstehe, dass manche damit gar nichts anfangen können. Mein Lieblingskommentar von anderen: „gewöhnungsbedürftig“.
Aber Hurz! war sicher erfolgreicher.
Und hier das ganz ansehnliche Lied des Künstlers, der das alles zu verantworten hat:
Ich hätte gedacht, dass „Hurz“ den Geräusch wiedergibt, den der Wolf von sich gibt, wenn er nach dem gierigen Verschlingen des Lamms erst rulpst (hurz!) und dann die ganze hastige Mahlzeit wieder auskotzt. lg PJ
Könnte durchaus sein. Die Quellen sind da nicht eindeutig!